Neue Kynologie

Was ist „Neue Kynologie“?

Neue Kynologie ist eine moderne Form der Hundehaltung und Erziehung.

Sie betrachtet den Hund vom Blickwinkel der gegenwärtigen Biologie. Dabei werden alle Umgangsmethoden mit dem Hund abgelehnt, die sich von Mode, materiellem Vorteil oder Vorurteilen leiten lassen. So werden viele Probleme vermieden und ein intaktes Basis für das gemeinsame Leben und Zusammenarbeit zwischen Mensch und Hund geschaffen.

Dank der natürlichen Fähigkeit beider Spezies – Menschen und Hunden – sich sozial zu binden, dauert ihre Koexistenz mehr als 14 Jahrhunderte. Sehr oft kooperieren Hunde und Menschen auf natürliche Weise, ohne ein Spezialtraining absolvieren zu müssen.

Nichtsdestotrotz sind soziale Fähigkeiten der Hunde lange Zeit von Hundetrainer und Hundebesitzer unterschätzt oder fehlinterpretiert worden waren. Der Umgang mit dem Hund wurde auf Maßregeln und Volksüberlieferungen gestützt. Verhaltensprobleme wurden als böse Absicht des Hundes gedeutet oder auf die ungenügende Führungsrolle des Halters oder mangelnde „Dressur“ zurückgeführt. Hundebesitzer und Trainer stellten an ihre Hunde Anforderungen, die nicht selten den Gesetzten der Biologie widersprachen.

Sehr oft anstatt einer flexiblen, respektvollen Kommunikation verwendete man eine Reihe von Kommandos; das freudige Lernen von neuen Fähigkeiten umwandelte sich zur „Dressur“ von Kommandos; anstatt respektvoller Integration des Hundes in die Familie schätzte man die widerspruchslose Ausführung von Kommandos. Die Kooperation, die in einer Familie als etwas selbstverständliches sein sollte, verwandelte sich in eine Zwangsarbeit und reduzierte sich auf einige bestimmte Aufgaben, anstatt ständig zur problemlosen Zusammenleben beizutragen. Die Gehorsamkeit wurde zum wichtigsten Ziel in der Erziehung, wobei auf die Frage, was ist eigentlich ein gehorsamer Hund, jeder antwortete nach seinen eigenen Vorstellungen, egal wie seltsam sie sein mögen. Man versuchte mit allen Mitteln den Hund gehorsam zu machen, auch wenn die Gesundheit des Hundes darunter gelitten hat. Da die Hunde auf unnatürlichen Umgang mit Verhaltensproblemen reagierten, entstand ein Mythos, den Hund könnte man ohne Drill und Unterdrückung nicht handhaben.

Das Konzept Neuen Kynologie

Der Hund und der Mensch gründen eine vollwertige Familie. Dabei vereinigt sie das gegenseitige Gefühl der Anhänglichkeit. Beim gemeinsamen Leben zwischen dem Hundehalter und seinem Hund kommt es auf eine für beide Partner verständige Kommunikation und Fürsorge, die auf natürlichen Bedürfnissen aufgebaut ist.

Um eine gute Kommunikation herzustellen muss der Hundebesitzer seinen Wahrnehmungshorizont etwas erweitern, um der Sichtweise des Hundes etwas näher zu kommen. Der Besitzer soll lernen selbst kaum erkennbare Kommunikationssignale des Hundes zu erkennen und zu verstehen um richtig darauf zu reagieren.

Der Besitzer soll lernen, seine Emotionen und Wünsche so auszudrücken, damit sie aus der Sichtweise seines Vierbeiners verständlich und vorhersehbar werden. Grobheit und Respektlosigkeit gegenüber dem Hund werden dabei gänzlich ausgeschlossen.

Grobheit und Respektlosigkeit zerstören nämlich unweigerlich die Beziehung zum Hund. Der Hund wendet sich innerlich vom Besitzer ab. Dabei löst sich die Orientierung an seinem Besitzer auf, was unvermeidbar zu Problemen im gemeinsamen Leben führt. Gleichzeitig gerät der Hund unter Stress, wenn die für ihn so wichtige soziale Bindung reist. In einer vom Menschen geschaffenen technogenen Umgebung ist die Unterstützung des Menschen für den Hund lebensnotwendig.

Gut abgestimmte Kommunikation zwischen den Familienmitgliedern entwickelt hingegen beim Hund das Gefühl der Zugehörigkeit und des Vertrauens. Ein sicheres soziales Umfeld fordert die mentale Entwicklung des Hundes und seinen Willen mit den Familienmitgliedern zu kooperieren. Die Kooperation setzt voraus, dass dem Hund nicht nur konkrete Fertigkeiten antrainiert werden, sondern auch bestimmte Verhaltensregeln in der Familie und zwar auf eine natürliche Art und Weise – über das soziale Lernen. So passt der Hund sein Verhalten ganz flexibel dem Wunsch seiner Sozialpartner und der Umständen in der Familie an.

In Beziehungen, die auf einer guten Grundlage aufgebaut sind, treten Verhaltensprobleme wesentlich seltener auf, weil die meisten Probleme stressbedingt entstehen – als physiologische Reaktion auf Haltungsbedingungen, die den physischen und mentalen Bedürfnissen des Hundes widersprechen, wie etwa ungeeignete Fürsorge und Mangel an intakter Kommunikation in der Familie.

Die Fähigkeit des Hundes sich selbständig in das Leben der Familie zu integrieren, ohne jegliches Spezialtraining absolviert zu haben, wurde schon vor langer Zeit beobachtet. Jedoch waren solche Fälle gewöhnlich für einen glücklichen Zufall gehalten.

Die Neue Kynologie belegt, dass die selbständige Integration der Hunde ein völlig natürlicher Vorgang ist, dem jene biologische Gesetzte zugrunde liegen, die auch für den Aufbau der Beziehungen in den Tierfamilien verantwortlich sind.

Altes Schema mit neuem Inhalt

Die Idee des Konzeptes Neuer Kynologie kann durchaus bekannt erscheinen. Der entscheidende Unterschied liegt in der ganzheitlichen Betrachtung, die in der traditionellen Kynologie fehlt.

Die notwendige Grundlage für eine ganzheitliche Herangehensweise wurde durch neue Forschungsmethoden auf folgenden Gebieten geschaffen:

Auf Grundlage dieser Erkenntnisse wurde eine neue Kommunikations- und Arbeitstechnik mit dem Hund entwickelt.

Häufig gestellte Fragen

Wer hat das Konzept Neue Kynologie entwickelt?

Die Neue Kynologie nimmt ihren Ursprung in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Die Grundlage dafür bilden Erforschungen auf verschiedensten Gebieten: Verhaltensforschung, Neurobiologie, Psychologie, Soziologie und die eigentliche Kynologie. Durch die Aufklärungsarbeit in den osteuropäischen Ländern gelang es dem Internationalen Verein Dogfriend die Resultate der Arbeit zu einem Gesamtkonzept zusammenfassen.

Welche Stellung hat die Neue Kynologie weltweit?

Die Gesellschaft entwickelt sich stetig weiter und die Kynologie, die auf den Prinzipien der Unterdrückung aufgebaut war, wird langsam durch gewaltfreien Umgang mit Hunden ersetzt. Dabei werden die natürlichen sozialen Fähigkeiten vom Hund und Mensch in den Mittelpunkt gestellt.

Paradigmenwechsel gehen nie schnell vonstatten: Jedes neue Forschungsergebnis und jede neu entwickelte Arbeitsmethode tragen stück für stück der Entwicklung bei.

In vielen Ländern gibt es zurzeit noch kein ganzheitliches Konzept in der Kynologie, weil die Erkenntnisse nur langsam anwachsen und sich unregelmäßig verbreiten. Darum müssen Trainer und Hundebesitzer ihre Kenntnisse ständig auf den neuesten Stand bringen.

Als führende Nationen mit einer Kynologie der neuen Generation gelten Schweden, Norwegen und Dänemark. Die westeuropäischen Länder entwickeln auch immer mehr freundschaftliche Gefühle zu den Hunden; die Zahl der Experten, die ihre Arbeit nach den neuesten kynologischen Erkenntnissen richten, nimmt zu. Auch in den USA distanzieren sich viele Trainer von gewaltsamen Methoden bei der Hundeerziehung. Aber es gelingt ihnen nicht immer, weil sie traditionsgemäß noch oft zu mechanischen Methoden greifen und das soziale Wesen des Hundes nicht berücksichtigen.

Können Trainer, die sich mit der Neuen Kynologie nicht auskennen, gut sein?

Die Neue Kynologie beruht auf der natürlichen artübergreifenden Kommunikation zwischen Mensch und Hund. Guter Trainer kann jeder werden, der seine Beziehung zum Hund auf den Prinzipien der Freundschaft aufbaut und beim Training die natürliche Motivation berücksichtigt.

Die Möglichkeiten eines unqualifizierten Trainers können jedoch begrenzt sein, denn um vielseitige Probleme erfolgreich zu lösen, benötigt man die aktuellen Kenntnisse, vor allem über Psychologie des Hundes.

Wie unterscheidet sich die Neue Kynologie von einem positiven Training?

Die Neue Kynologie wird oft mit dem „positiven Training“ verwechselt. Dadurch wird sie der nötigen Aufmerksamkeit beraubt, weil sie als uneffektiv abgestempelt sein kann. Die Befürworter des sogenannten „positiven Trainings“ bleiben oft beharrlich bei der mechanischen Einwirkung auf den Hund und lassen dabei viele Facetten seiner Wahrnehmung außer Acht. Deshalb sind sie oft gezwungen wiederholt Gewalteinwirkung anzuwenden und begründen dies als eine Notwendigkeit. Die Neue Kynologie löst allmählich das Konzept des positiven Trainings ab, weil sie seine folgerichtige Weiterentwicklung ist.

Wo liegt das Problem der alten Schule?

Tier- oder Hundepsychologen, die keine Ausbildung in der Neuen Kynologie bekommen haben, sind, genau wie überzeugte Trainer der alten Schule, nicht befähigt die psychischen Vorgänge des Hundes zu verstehen. Letztendlich wird die Ursache des Verhaltensproblems nicht erkannt und demnach auch nicht effektiv behandelt. In vielen Fällen wird dieses Problem unterdrückt, was die weiteren Probleme mit sich bringt. Nicht selten sind sogar für Fachleute, die sich für gewaltfreie Erziehungsmethoden entschieden haben, die Folgen ihrer „Verhaltenskorrektur“ unvorhersehbar. So machen sie ihre Bemühungen zunichte.

Warum Biologen und Tierärzte ohne zusätzliche Fachausbildung keine Fachleute in Kynologie sein können?

Nicht selten bezeichnen sich Humanpsychologen sowie Biologen und Tierärzte als Tierpsychologen, obwohl die Vertreter dieser Berufe keinerlei erforderliche Kenntnisse in Kynologie während ihrer Ausbildung erworben haben. Deshalb können sie ohne zusätzliche Fachausbildung keinesfalls als Spezialisten auf dem Gebiet der Kynologie bezeichnet werden. Weil inkompetente Menschen sich häufig als Experte im Tierverhalten ausgeben, wird Hundepsychologie oft gar nicht ernst genommen. Die Eineigung fundierter Kenntnisse in der Neuen Kynologie ein optimaler Weg um dir richtige Qualifikation zu bekommen.

Wer sind die Gegner der Neuen Kynologie?

Es gibt eine ganz Reihe von Menschen, die aus dem Umgang mit dem Hund nur einen eigenen Nutzen erzielen möchten. Ob finanziellen Nutzen, Aufrechterhaltung eines Sozialstatus oder Versuch das eigene psychische Gleichgewicht aufzubauen, spielt keine Rolle. Diese Menschen halten zur Kynologie, die auf Gewalteinwirkungen aufbaut ist, weil diese als Hauptinstrument für dem Umgang mit dem Hund eingesetzt wird. Diese Menschen verbreiten oft falsche Informationen über Hunde. Aber sie sind leicht von den Vertretern der Neuen Kynologie zu unterscheiden.

Welche Merkmale sind für die Trainer der alten Schule charakteristisch?

Ideologische Grundlage: Sie schreiben den Hunden den Drang zur Dominanz in der Familie zu und unterstellen ihnen Neigung zur Unvorhersehbarkeit, Aggression u.a.m. Sie sind abgeneigt Emotionen und analytische Fähigkeiten der Hunde zu berücksichtigen.

Praktische Tätigkeit: Anwendung verschiedener Hilfsmittel zur Manipulation des Hundeverhaltens, wie Stachelhalsbänder, Halsketten, Halty, Elektroschockhalsbänder, anonyme Bestrafungsmethoden; physische und psychische Unterdrückungsmethoden, die auf Schmerzzufügung oder Angstzustände aufgebaut sind (Anschreien, Zerren an der Leine, Isolation, Ignorieren von gesundheitlichen und mentalen Problemen, Versuche den Hund zur Unterwerfung zu zwingen, auch wenn dies seine Gesundheit gefährdet, ungeschickter Umgang mit dem Hund, der Feindseligkeit beim Hund hervorruft).

Zwar äußern sich manche Trainer der alten Schule für gewaltfreie Methoden aus, in der Tat greifen jedoch viele auf diese Methoden zurück oder ziehen es vor beide Richtungen zu vermischen.

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